Filterklassen verstehen und umrechnen
Eine Filterklasse sagt, wie viel ein Luftfilter aus der Luft holt. Seit 2018 gilt dafür die ISO 16890 mit Bezeichnungen wie ISO ePM1 60 %. Davor war die EN 779 im Einsatz, mit G4, M5 oder F7. Wer eine ältere Anlage betreibt, hat beides im Haus: die alte Klasse im Datenblatt, die neue beim Lieferanten.
Hier finden Sie die drei Normen, die in der Raumlufttechnik zählen, dazu ein Werkzeug, das Ihre alte Filterklasse auf die neue Systematik überträgt und für Ihre Anlage eine Filterklasse vorschlägt. Bei Unsicherheiten prüfen wir Ihren Fall direkt in Essen.

Drei Normen, drei Zuständigkeiten
In der Raumlufttechnik greifen drei Regelwerke, und sie beschreiben unterschiedliche Leistungsbereiche. Wer eine Klasse zuordnet, muss zuerst wissen, aus welcher Norm sie stammt.
Filterklassen-Rechner
Drei Werkzeuge in einem: Klassen zwischen EN 779 und ISO 16890 übertragen, eine Filterklasse für Ihre Anlage finden und Schwebstofffilter nach EN 1822 nachschlagen.
ISO 16890: die vier Filtergruppen
ISO 16890 sortiert Filter nach der Partikelgröße, die sie abscheiden. Ein Filter kommt in eine Gruppe, wenn er im entladenen Zustand mindestens 50 Prozent der jeweiligen Fraktion zurückhält. Genannt wird dann der mittlere Abscheidegrad, abgerundet auf 5-Prozent-Schritte. Aus 68 Prozent wird also ISO ePM1 65 %.
Der wichtigste Unterschied zur EN 779 steckt im Prüfverfahren. ISO 16890 lagert das Filtermedium 24 Stunden in einer mit Isopropanol gesättigten Atmosphäre und baut damit die elektrostatische Aufladung ab. Diese Aufladung verschwindet in der Anlage nach wenigen Wochen von selbst, wurde von der EN 779 aber mitgemessen. Die neuen Werte liegen deshalb niedriger, obwohl der Filter derselbe ist.
Gemessen wird über das Spektrum von 0,3 bis 10 µm und mit einer standardisierten Partikelverteilung aus realer Außenluft gewichtet, nicht mehr bei einer einzelnen Partikelgröße von 0,4 µm.
| Filtergruppe | Partikelgröße | Bedingung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| ISO Coarse | 0,3 bis 10 µm | unter 50 % bei PM10 | Vorfilter, Geräteschutz, Filtermatten |
| ISO ePM10 | 0,3 bis 10 µm | mind. 50 % bei PM10 | Vorstufe, Grobstaub und Pollen |
| ISO ePM2,5 | 0,3 bis 2,5 µm | mind. 50 % bei PM2,5 | Zwischenstufe, Schutz vor Befeuchtern |
| ISO ePM1 | 0,3 bis 1 µm | mind. 50 % bei PM1 | Hauptstufe für Zuluft, Feinstaub und Ruß |
Alte Filterklasse umrechnen
Eine offizielle Umrechnung zwischen EN 779 und ISO 16890 gibt es nicht, und das ist keine Formalie. Weil ISO 16890 das entladene Medium prüft und über ein ganzes Partikelspektrum mittelt, können zwei Filter, die beide als F7 im Regal lagen, heute in unterschiedlichen Gruppen landen. Der VDMA hat dafür eine Orientierungstabelle veröffentlicht, die Spannbereiche statt fester Werte nennt. Genau diese Tabelle liegt dem Rechner oben zugrunde.
Für die Praxis heißt das: Die Tabelle taugt zur Vorauswahl, verbindlich ist der Prüfbericht des konkreten Filters. In Ausschreibungen wird F7 heute meist mit ISO ePM1 50 % oder ISO ePM1 60 % ersetzt, F8 mit ISO ePM1 70 % und F9 mit ISO ePM1 80 %. Zur Einordnung der Norm selbst haben wir eine eigene Seite: Was ist die ISO 16890.
| EN 779 | Gruppe | ISO Coarse | ISO ePM10 | ISO ePM2,5 | ISO ePM1 |
|---|---|---|---|---|---|
| G1 | Grobstaub | – | – | – | – |
| G2 | Grobstaub | 30 % bis 50 % | – | – | – |
| G3 | Grobstaub | 45 % bis 65 % | – | – | – |
| G4 | Grobstaub | 60 % bis 85 % | – | – | – |
| M5 | Mittel | 80 % bis 95 % | 40 % bis 70 % | 10 % bis 45 % | 5 % bis 35 % |
| M6 | Mittel | > 90 % | 45 % bis 80 % | 20 % bis 50 % | 10 % bis 40 % |
| F7 | Fein | > 95 % | 80 % bis 90 % | 50 % bis 75 % | 40 % bis 65 % |
| F8 | Fein | > 95 % | > 90 % | 75 % bis 95 % | 65 % bis 90 % |
| F9 | Fein | > 95 % | > 90 % | 85 % bis 95 % | 80 % bis 90 % |
Schwebstofffilter nach EN 1822
Oberhalb von ISO ePM1 endet die Zuständigkeit der ISO 16890. Für Schwebstofffilter gilt die EN 1822, und sie prüft anders: nicht über ein Partikelspektrum, sondern am MPPS, der Partikelgröße mit der höchsten Durchlässigkeit. Die liegt je nach Medium zwischen 0,1 und 0,3 µm, das Minimum meist um 0,15 µm. Der genannte Abscheidegrad beschreibt damit den schlechtesten Punkt des Filters, nicht einen Mittelwert.
Ab H13 verlangt die Norm zusätzlich eine Leckprüfung jedes einzelnen Filters, mit einem lokalen Grenzwert neben dem integralen. Deshalb tragen HEPA-Filter ein individuelles Prüfprotokoll und eine Seriennummer. Die EPA-Klassen E10 bis E12 werden nur integral geprüft. Parallel dazu existiert die ISO 29463, die international die Prüfverfahren regelt. In Europa wird weiter nach EN 1822 klassifiziert, geprüft aber nach den Teilen der ISO 29463.
| Klasse | Gruppe | Abscheidegrad integral | Durchlass integral | Abscheidegrad lokal | Durchlass lokal |
|---|---|---|---|---|---|
| E10 | EPA | ≥ 85 % | ≤ 15 % | – | – |
| E11 | EPA | ≥ 95 % | ≤ 5 % | – | – |
| E12 | EPA | ≥ 99,5 % | ≤ 0,5 % | – | – |
| H13 | HEPA | ≥ 99,95 % | ≤ 0,05 % | ≥ 99,75 % | ≤ 0,25 % |
| H14 | HEPA | ≥ 99,995 % | ≤ 0,005 % | ≥ 99,975 % | ≤ 0,025 % |
| U15 | ULPA | ≥ 99,9995 % | ≤ 0,0005 % | ≥ 99,9975 % | ≤ 0,0025 % |
| U16 | ULPA | ≥ 99,99995 % | ≤ 0,00005 % | ≥ 99,99975 % | ≤ 0,00025 % |
| U17 | ULPA | ≥ 99,999995 % | ≤ 0,000005 % | ≥ 99,9999 % | ≤ 0,0001 % |
Welche Filterklasse für welche Anlage
Die Filterklasse folgt aus zwei Größen: der Qualität der Außenluft am Standort und der Anforderung an die Zuluft im Raum. VDI 3803 Blatt 4 und DIN EN 16798-3 teilen die Außenluft in drei Kategorien, von ODA 1 in ländlicher Lage bis ODA 3 an Hauptverkehrsstraßen und im Industrieumfeld. Ab ODA 2 ist ein zweistufiger Aufbau meist die wirtschaftlichere Lösung, weil die Vorstufe die teurere Hauptstufe schont und deren Standzeit verlängert.
Ein Sonderfall sind Befeuchter. VDI 3803 Blatt 1 verlangt davor mindestens ISO ePM2,5 65 %, damit sich im feuchten Bereich keine Mikroorganismen ansiedeln. Als Anhaltswerte für den Betrieb gelten 3.000 bis 8.000 Betriebsstunden Standzeit bei ISO ePM1 in Mitteleuropa sowie ein Enddruckverlust von 100 bis 150 Pa bei ISO Coarse, 150 bis 200 Pa bei ISO ePM10 und 200 bis 250 Pa bei ISO ePM2,5 und ISO ePM1.
| Anwendung | Vorstufe | Hauptstufe | Endstufe |
|---|---|---|---|
| Schule und Klassenraum | ISO ePM10 60 % | ISO ePM1 60 % | – |
| Büro und Verwaltung | ISO ePM10 60 % | ISO ePM1 60 % | – |
| Schwimmbad und Feuchtraum | ISO ePM10 50 % | ISO ePM1 50 % | – |
| Sporthalle und Veranstaltung | ISO ePM10 50 % | ISO ePM1 60 % | – |
| Klinik, Praxis und Pflege | ISO ePM10 60 % | ISO ePM1 80 % | H13 |
| Reinraum und Sonderfertigung | ISO ePM10 60 % | ISO ePM1 80 % | H14 bis U15 |
| Industrie und Fertigung | ISO Coarse 65 % | ISO ePM1 50 % | – |
| Wohnraumbelüftung und KWL | ISO Coarse 60 % | ISO ePM1 55 % | – |
Von der Filterklasse zum Filter
Die Klasse beschreibt die Leistung, nicht die Bauform. Welcher Filtertyp dazu passt, entscheiden Bautiefe, Volumenstrom und der zulässige Druckverlust in Ihrer Anlage.
Häufige Fragen zu Filterklassen

Filterklasse für Ihre Anlage prüfen
Schicken Sie uns die Abmessungen, die bisherige Filterklasse und den Volumenstrom Ihrer Anlage. Wir ordnen die Klasse nach ISO 16890 zu, prüfen den Druckverlust und nennen Ihnen den passenden Filtertyp. Bei Anfragen von Lüftungsbauern und Planern antworten wir in der Regel innerhalb eines Werktages.
Neidert Luftfiltertechnik GmbH, Essen
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